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Mauro und Iván

Mauro und Iván aus Villavieja (Kolumbien) sind dankbar und genügsam.

Wir kennen uns seit 2018
und chatten per WhatsApp mindestens einmal täglich.

Da auf mein letztes Email mit der Bitte um Spenden
einige Reaktionen für mich unerwartet negativ ausfielen,
sende ich keine weiteren Emails mehr.

Danke allen, die mir vertrauen
und mit dem Link bit.ly/JP_Kolumbien diese Webseite weiter empfehlen!






29.09.2022

Hier die Antworten auf zwei kürzlich gestellte Fragen:

1. Was brauchen die beiden?
→Sie brauchen Kunden, d.h. Touristen
   (siehe unten 12.06. bis 19.06.2022 in Kolumbien)

2. Haben die beiden Zukunft?
→Sie sind kreativ: Sie haben die einzige Wäscherei im ganzen Ort gegründet.
→Sie sind geschickt und fleißig: Die Hoteliers empfehlen sie ihren (wenigen) Kunden.




03.08.2022

Warnung von der Polizei: Helmpflicht.
2 x € 40,86 für die billigsten gesetzeskonformen Helme.

Es wird schon. Die beiden geben nicht auf.
Nach langer Zeit meldet sich wieder einmal ein Tourist und lässt seine Wäsche waschen. 20 Kg Wäsche. Das bringt immerhin € 13,62 ein.




15.07.2022

Es ist noch immer Regenzeit.




11.07.2022

Der Schrank im Schlafzimmer ist fertig: Hemden, Hosen und T-shirts hängen an einer Stange.
Stolz schicken sie mir ein Foto von den soeben montierten Ablageflächen.




 

12.06. bis 19.06.2022 in Kolumbien

Villavieja ist ein Dorf mit ca. 7.000 Einwohnern. Hier kennt jeder jeden.
Die Dorfgeschichte beginnt im Jahr 1550. Die sieben ältesten Häuser - etwa 300 Jahre alt - sind mit Dachziegeln bedeckt. Alle späteren mit Wellblech.
Nur die beiden Straßen, die zum Hauptplatz führen, sind asphaltiert.




Das ist das größte Geschäft im Dorf. Dieser "Supermarkt" zahlt selbstverständlich Steuer.




Aber ebenso selbstverständlich ist, dass kleinere Läden, wie diese Nähstube, keine Steuern zahlt. Die Besitzerin könnte sonst nicht überleben.
Schwarzarbeit wird hier nicht geächtet - und selbstverständlich auch nicht tabuisiert.




Das ist der Eingang zum Friseurladen und zur Wäscherei der beiden. Heute ist Zahltag (natürlich in bar). Die Miete kostet ca. € 110,00 und die Betriebskosten inkl. TV und Tel kommen auf etwa € 75,00 monatlich




Die Haupteinnahmen für das ganze Dorf kommen aus dem Tourismus. Die Attraktion ist die nahe gelegenen Tropenwüste.




Die Touristen werden in Hotels wie dieses untergebracht. Im ganzen Dorf gibt es davon etwa zehn.

Aber in diesem Jahr ist es schwierig: Es sind kaum Touristen da.

Jetzt, in der sogenannten Regenzeit - in Wirklichkeit handelt es sich in dieser Wüstengegend maximal um zwei oder drei kurze Schauer pro Tag - bleiben die lateinamerikanischen Touristen sowieso aus.

Die meisten Touristen sind die Europäer: aus England, Frankreich, Spanien und Deutschland. Aber diese kommen nun auch nicht: Die Reise ist ihnen zu teuer geworden.

So haben die Hotels kaum Einnahmen. Sie können nicht einmal das Angebot von Mauro und Iván annehmen: pro Leintuch € 0,48. Das ist den Hoteliers zu viel. Trotzdem empfehlen sie den Touristen die einzige Wäscherei des Dorfes, weil sie den Fleiß und die Leistung von Mauro und Iván kennen. Nicht zuletzt profitieren die Hoteliers dadurch auch selbst, denn die Zufriedenheit der Kunden hebt natürlich ihren Ruf.




"Bitte kurz stehen bleiben für das Foto!" Mauro und Iván bringen gerade Schmutzwäsche eines Touristen ins Haus.

Sie waschen sie in ihrem Hinterhof

und bringen sie wieder ins Hotel.




Am nächsten Tag geht es holprig auf einer asphaltierten Straße voller Löcher zum Einkaufszentrum in Neiva.

Wir betreten um etwa 10:15 den Supermarkt.

Aber: "Wo sind die Kunden?"

Mauro erklärt es mir: "Wie du siehst, triffst du hier nur gut situierte Menschen an, und das sind nur wenige. Die Menschen von der Mittelschicht können sich nicht einmal die verbilligten Familienangebote mehr leisten. Sie kaufen nur mehr Lebensmittel ein, und haben dafür das Geld nur für den heutigen Tag. Das machen sie dann im Laden in ihrer Nähe."

Wir kaufen haltbare Lebensmittel in größeren Mengen: Mehl, Reis, Kaffee, usw.
Aber auch fehlendes Besteck, ein Sieb, ein paar Kleiderbügel und...

...selbstverstälich Teelichter für die kleine Statue des heiligen Benedikt in der Küche.
Interessantes Detail: Schon lange bevor wir uns kennen gelernt haben, hatten die beiden diesen Heiligen sehr verehrt.

Ich sehe einen Tisch und zwei Sessel um den Preis von insgesamt etwa € 180,00 und erinnere Mauro und Iván daran, dass sie beim Essen nur auf Hockern oder auf dem Bett sitzen. Mauro sieht sich die Preise an und meint, dass der Dorftischler in Villavieja billiger sei.

Vor unseren Augen nehmen zwei uniformierte Mitarbeiter des Hauses einer Kundin einige Packungen von kleinen Bierdosen aus ihrem Einkaufswagen heraus. Grund: Es darf wegen der derzeitigen finanziellen Situation in Kolumbien jeder maximal drei soche 6er-Packungen kaufen. Mauro und Iván sind verunsichert. Schließlich herrscht ja in Kolumbien das allgemeine Einkaufsrecht.

Auf der Rückfahrt will ich Herrn G., der uns liebenswürdiger Weise chauffiert, anstatt des vereinbarten geringen Betrages den Tank seines Autos füllen. Für ihn wäre das finanziell ein großer Vorteil, ohne als Almosenempfänger dazustehen. Das war aber eine schlechte Idee von mir: Was nutzt ein voller Tank bei leeren Mägen? Herr G. möchte seiner Familie Lebensmittel (für heute) heimbringen.

Bedarf es jetzt noch einer Erklärung, warum die Einheimischen nicht zum Friseur und für das Waschen ihrer Wäsche nicht zur Wäscherei gehen?



Das tägliche Brot backen die beiden selbst.

Auch in diesem Land sind Brotfladen aus Maismehl üblich. Sie heißen "Arepa".




Iván zeigt mir einen kürzlich geernteten Kürbis aus dem Hinterhof.



Die Blüten der Kürbisse sind bloß eintägig. Heute ist ein Glückstag, denn sowohl eine männliche als auch eine weibliche Blüte sind heute aufgegangen, also am selben Tag. Am Abend werden sie schon wieder verwelkt sein. Schnell bastelt Mauro ein Wattestäbchen, nimmmt etwas vom Blütenstaub der männlichen Blüte und befruchtet damit die weibliche. Schon nach zwei Tagen ist die Frucht mit freiem Auge erkennbar.

Auch die Sprößlinge der Paradeispflanzen kommen schon heraus. Und natürlich haufenweise cilantro (Koriander), den man hier aus fast jeder Speise herausschmecken kann.
Ab sofort werden auch soeben aus Österreich frisch importierte Samen von Salat, Karotten, Zwiebeln, Fisolen und anderem Gemüse eingepflanzt.




Plötzlich schreckt mich ein Schuss aus nächster Nähe. Mauro und Iván lächeln. Es ist bloß eine Naranja (ähnlich unserer Orange) vom Baum auf das Wellblechdach heruntergefallen
Übrigens bekomme ich von den beiden täglich die besten selbst gemachten Fruchtsäfte: Naranja, Mango, Maracuya, und andere, mir völlig unbekannte, deren Namen ich schon wieder vergessen habe.




Abschließend besuchen wir noch die Dorftischlerei.

Ein Tisch und zwei Sessel aus seit mindestens 20 Jahren gelagertem Massivholz werden in fünf Tagen um ganze € 80,00 abholbereit sein.

Die Nähmaschine, wird noch geliefert werden.

Am letzten Tag meine ich schon, dass meine "Mission" erfüllt ist. Da erlebe ich live, dass der Fernsehapparat kaputt geht. Man kann den Ton noch hören, aber kein Bild mehr sehen. Laut Fernsehtechniker kommt das von den ständigen Stromschwankungen. Ein Regulator muss her, wie in allen anderen Haushalten, und dann ein neues Fernsehgerät. Bald werde ich davon ein Foto bekommen - ebenso von der Nähmaschine - und werde sie dann hier einfügen.




NACHTRAG:

Der Tisch und die Sessel sind fertig (24.06.2022).




Das TV-Gerät ist auch endlich da (11.07.2022).






23.05.2022

Heute bitten sie mich um ihr Gebet, weil es Menschen gibt, die ihnen neidisch gesinnt sind. Sie bitten mich, mit dem heiligen Benedikt als Fürsprecher in dieser Sache zu sprechen. Ich habe zugesagt (Danke allen, die sich diesem Gebet anschließen!) und ihnen geraten, etwas Gutes zu kochen, und es den Neidern zu schenken. Der Hunger ist überall dort ein Luder. Wir werden sehen, ob sie meinen Rat befolgen. Jedenfalls haben wir uns inhaltlich passende Ausschnitte aus meinem Lied ausgetauscht, das mir 2020 auf der Heimreise von meinem Besuch in Medellín im Flugzeug kam: El Señor está con nosotros.






15.05.2022

In einem Monat fliege ich nach Kolumbien und besuche die beiden.

Falls mich jemand in meiner Flugreise nach Kolumbien durch Spenden unterstützen möchte:
Mein Flug kostet € 590,00.

Dort möchte ich für Mauro eine Nähmaschine kaufen. Das Foto zeigt ihn, als er vor etwa einem Jahr (April 2021) bei einer Hemdenproduzentin arbeitete. Er kennt sich mit solch großen Maschinen aus.

So eine Nähmaschine kostet dort um die € 200,00.

Damit könnte die Putzerei auch Reparaturen anbieten.

Ich danke allen, die mir vertrauen und mich unterstützen.
Liebe Grüße und Gottes Segen!
jp


IBAN: AT033239700001902154
Nicola Abrahamowicz
Zahlungsreferenz: Bedürftige in Kolumbien






10.05.2022

Ich wusste bis heute nicht, was ein bewaffneter Streik sei, nicht einmal, dass es so etwas gibt. Heute haben die beiden mitgeteilt, dass der bewaffnete sogenannte Golf Clan der Bevölkerung verbietet, Geschäfte zu öffnen. Das schaut nicht gut aus. Die taz berichtet:
Nur ein Kopf der Hydra






05.05.2022

Heute sind die orthopädischen Spangen geliefert worden. Vielen Dank euch allen!






04.05.2022

Die Spender haben es geschafft:
Iván hat seine Zahnspange, und Mauro bekommt in diesen Tagen ein orthopädisches Gerät, das ihm der Arzt angeordnet hat, in der Hoffnung, dass eine OP nicht notwendig sein wird. Allein diese ärztliche Beratung hätte ohne die Spender nicht stattfinden können.
Die beiden wissen, dass es Menschen gibt, die mir vertrauen und durch mich für sie spenden, und immer wieder lassen sie sich bei euch allen bedanken, was ich hiermit gerne weiterleite.
Wir sind über WhatsApp täglich in Kontakt. Mindestens einmal.






28.04.2022

Gerne erkläre ich in aller Kürze, warum die beiden noch nicht selbständig sind.
Als ich sie 2020 in Medellín besuchte, habe ich sie persönlich zur Friseurausbildung angemeldet.
Den ersten Teil (Herrenfriseur) haben sie als Klassenbeste bestanden.
Dann kam Corona. Die war in Kolumbien anders: Massendemonstrationen, Generalstreik, leere Supermärkte, usw.
Trotzdem konnten die beiden den zweiten Teil (Damenfriseur) online absolvieren.
Für beide abgeschlossenen Ausbildungen haben sie die Diplome.
Als Europäer dachte ich, sie könnten nun locker zum Arbeiten anfangen.
Wegen des Generalstreiks und der steigenden Armut hat ihnen aber niemand Arbeit angeboten.
Der Weg zur finanziellen Selbständigkeit ist unter den dortigen Verhältnissen andersrum zu begehen:
Selber einen Friseursalon errichten. Dazu haben sie auch einen anderen Ort gewählt, wo das Leben billiger ist als in der Großstadt Medellín.
Beim Begutachten dieses kleinen Ortes (Villavieja bei Neiva) haben sie die unten erwähnte Marktlücke erkannt:
Keine Putzerei im gesamten Ort. Jetzt bieten sie zum Friseurdienst auch Putzerei an.
Im Juni werde ich die beiden wieder besuchen.
Liebe Grüße und vielen Dank für das Vertrauen und für jeden Cent!






22.04.2022

Eine gute Nachricht:
Mauro und Iván haben eine Marktlücke gefunden:
In dem kleinen Ort von 7.000 Einwohnern, in den sie umgezogen sind, haben sie sich umgeschaut und haben festgestellt, dass es dort keine Wäscherei / Putzerei gibt.
Nun bieten sie diesen Dienst an und reinigen Kleider, Matratzen, Sitzgarnituren, Teppiche usw.


Der Bürgermeister freut sich über diese neue "Firma". Er und der Pfarrer haben schon ihre Sofas reinigen lassen. Das bringt natürlich gute Werbe Effekte.
Die beiden waschen und bügeln die Wäsche der Kunden, aber sie liefern den Kunden auch Waschmaschinen mit einem alten Moped.

und verleihen sie ihnen auf Zeit.

Nebenbei bieten sie ihren Friseurdienst an.

Haare färben lassen ist dort beliebt.



Vorige Woche geschah ein kleines erstes Wunder. Sie schrieben mir: "Die Betriebskosten unserer Wohnung können wir diesmal selbst übernehmen."
Trotzdem bitte ich euch um eure Hilfe:
Es mag dort alles sehr billig sein, aber die Lebensmittelpreise steigen offensichtlich in sozial unverschämter Geschwindigkeit.

Mit einem Foto zeigen sie mir den Preis von 30 Hühnereiern am 20.04.2022 - umgerechnet ca. € 4,65 (19.900 COP). Die Woche davor seien sie bedeutend billiger gewesen.
Tatsächlich ist innerhalb eines Jahres der Preis derselben Qualität von Eiern um 34,8 % gestiegen, der von Hühnerbrust um 43,5 % - vor allem wegen der Ernährung des Geflügels. Man kann sich aber auch in der Zeitschrift La Republica informieren.
Zusätzlich haben sich außerordentliche Ausgaben von umgerechnet ca. € 3.000 ergeben: Eine Zahnbehandlung für Iván und eine Hallux-OP für Mauro.
Erstmals in seinem Leben war der 29jährige Iván nach starken Schmerzen vor ein paar Tagen beim Zahnarzt. Ihm mussten alle vier Weisheitszähne und ein weiterer Zahn gezogen werden. Nun trägt er eine Zahnspange, und im genannten Preis ist eine einjährige Betreuung inkludiert.

Beim 31jährigen Mauro haben die Hallux Schmerzen inzwischen den Ischias Nerv angegriffen. Eine OP muss her. Demnächst findet die erste Untersuchung statt.

Mein Geld ist seit dem Ankauf von Wasch- und Bügelmaschinen und Moped samt Anhänger ausgegangen.
Bis Anfang Mai brauche ich die € 3.000.
Ich danke allen, die mir vertrauen und mich unterstützen.
Liebe Grüße und Gottes Segen!
jp


IBAN: AT033239700001902154
Nicola Abrahamowicz
Zahlungsreferenz: Bedürftige in Kolumbien



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